Veröffentlicht
20.12.2019

Erfahrungen, die kein Lehrbuch vermitteln kann – Studierende berichten aus Brüssel

Studierende des MBA Public Affairs & Leadership mit Prof. Dr. Caorlin Zeller im Gebäude des Europäischen Rats.

Besuch in „Europas Hauptstadt“ – unsere Studierenden des MBA Public Affairs & Leadership waren gemeinsam mit Prof. Dr. Carolin Zeller auf Studienreise in Brüssel. Bei ihren Stopps in den EU-Institutionen sowie in Repräsentanzen von Unternehmen, Agenturen und Verbänden trafen sie auch Quadriga-Alumna Lena Düpont sowie Torsten Albig, der an der Quadriga Hochschule lehrt sowie in Beirat und Kuratorium vertreten ist.

„Public Affairs & Leadership am lebenden Objekt: So könnte man unsere Studienreise wohl am besten beschreiben“, fasst MBA-Studentin Viktoria Willmann den Besuch in Brüssel zusammen. In den intensiven Diskussionen mit zahlreichen hochrangingen Vertreter*innen von Ministerrat bis NGO kamen allerhand Themen auf den Tisch – die europäischen Klimaziele, der Brexit, die Zusammenarbeit mit der neuen EU-Kommission und die Frage der europäischen Integration sind nur einige davon. Für MBA-Student Philipp Höhn waren das „Erfahrungen, die kein Lehrbuch vermitteln kann." Hier lesen Sie die Erfahrungsberichte der Reisegruppe.

Suzanne Fleury zum Besuch bei Torsten Albig in der Repräsentanz der Deutsche Post DHL Group

Fleury: „Der Donnerstagmorgen in Brüssel begann mit einem erlebnisreichen Treffen mit Torsten Albig, dem ehemaligen Minister von Schleswig-Holstein und derzeitigen Vice President of Corporate Representation Brussels für die Deutsche Post DHL. Die Themen reichten von der Diskussion darüber, wie DHL bis 2050 das erste emissionsfreie Logistikunternehmen der Welt sein will, bis hin zur Vorbereitung auf eine Art von Brexit, wie sie für die Politik in Brüssel entscheidend ist, weil sie die Nachhaltigkeit der Logistikbranche und die demokratischen Herausforderungen Europas berücksichtigt. Vielen Dank an Torsten Albig, der sein umfangreiches Wissen mit uns geteilt hat.“
 

Christopher Dreke zum Besuch bei Lena Düpont im Europäischen Parlament

Die Studierenden im Europäischen Parlament mit Quadriga-Alumna Lena Düpont.
Die "Reisegruppe Brüssel" zu Gast im Europäischen Parlament bei Quadriga-Alumna Lena Düpont (4. v.l.).

Dreke: „Im Herzen von Europas Demokratie, dem Europäischen Parlament, trafen wir die EP-Abgeordnete und Quadriga-Alumna Lena Düpont. Von ihr erhielten wir Einblicke in die parlamentarischen Abläufe, insbesondere aus den letzten Monaten: Von Konstituierung des Parlaments bis zum Amtsantritt der neuen Kommission. Wir sprachen über Ausschussarbeit, die Rolle der Fraktion und die Arbeitsweise in ihr, die Bedeutung des Berichterstatters und das Punktesystem im Parlament sowie über die den Bezug ihrer Arbeit zum Wahlkreis. „Demokratie ist das, was ihr aus ihr machen“, lautete das Fazit dieses Termins und dass es an uns liegt, die Demokratie trotz einiger Schwächen zu verteidigen.“

Lesen Sie auch das Interview mit Lena Düpont, das wir zum Start ihrer Arbeit im EP mit ihr geführt haben.
 

Falk Dambowsky zum Besuch bei der Agentur 365 Sherpas

Dambowsky: „Den schönsten Besprechungsraum, direkt an einem Park gelegen und gestaltet wie ein hipper Coffeshop, hatten die 365 Sherpas auf der Studienreise zu bieten. Bei einem Kaffee gab es dann auch spannende, gut erklärte Einblicke in die Brüsseler Berater-Blase, die deutlich größer ist als in Berlin. Dabei sprachen wir über die größere Transparenz der politischen Beratung in Brüssel, die deutlich geringere Distanz zu politischen Themen auch nach der Arbeit und die deutlich überschaubare tagesaktuelle Berichterstattung, die sich im Wesentlichen über drei Brüsseler Zeitungen verteilt. Wir diskutierten die Ansatzpunkte der Beratung im Dreieck der Institutionen von Kommission, Rat und Parlament sowie die Bedeutung von Haltung, Werten und Glaubwürdigkeit fürs Geschäft. Insgesamt eine wichtige Perspektive, um das politische Geschehen und das große Geschäft der Politikberatung in Brüssel besser zu verstehen.“
 

Viktoria Willmann zum Besuch bei Paul Nemitz in der Europäischen Kommission

Willmann: „Was es heißt, politische Entscheidungen zu treffen vor dem Anspruch der Unparteilichkeit, gleichzeitig jedoch nationale Aspekte nicht außer Acht zu lassen, verdeutlichte Paul Nemitz, Chefberater in der Generaldirektion Justiz und Verbraucherrechte der EU-Kommission. Welche Herausforderungen und gegensätzliche Positionen in der Zusammenarbeit mit anderen EU-Institutionen aufeinanderprallen, erläuterte er anhand praktischer Beispiele aus seiner täglichen Arbeit. In diesem Zusammenhang wurde aber auch schnell sein Anspruch an Lobbyisten und Public Affairs klar: Es braucht eine Wahrheitspflicht der Konzerne in der Politik. Interessenvertretung fungiert somit als ein wichtiger Pfeiler der Demokratie.“
 

Philipp Höhn zum Besuch bei Dr. Claudia Schöller in der Landesvertretung Hessen

Höhn: „Empfangen im Foyer lud uns Dr. Claudia Schöller, ihres Zeichens verantwortlich für den Bereich Rechtspolitik in der Landesvertretung Hessens bei der EU, zum Foto ein. „Bitte auf der Treppe aufstellen und in die Kamera lächeln“, hörten wir sie routiniert dirigieren, denn eine zentrale Funktion des Hauses liegt in der Öffentlichkeitsarbeit. Mehrere tausend Bürger*innen besuchen jährlich das Land Hessen in Brüssel. Sie zu informieren, zu bilden und mit einem positiven Bild von Europa auszustatten, gleichzeitig zu netzwerken, ihre und die Termine des Landeskabinetts vorzubereiten, ist Teil ihres Alltags. Dazu gehört auch, Satellit zu sein: Vorhaben und Debatten in der EU zu verfolgen und nach Wiesbaden zu übermitteln. Ein für das Land wichtiger Empfänger.“
 

Dieter Fellner zum Besuch bei Julia Rumsch im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie

Fellner: „Julia Rumsch konnte viele interessante Praxisbeispiele der PA-Aktivitäten des Verbandes aufzeigen. Es wurden die vielen Veränderungen im EU-Gesundheitsmarkt diskutiert wie bspw. das europäische HTA (Health Technologie Assessment), die neue MDR (Medical Device Regulation) und das wichtige Thema Digitalisierung im Gesundheitsbereich. Alles in allem ein sehr lehrreicher und interessanter Besuch im House of the German Business.“
 

Viktoria Willmann zum Besuch bei Charlotte Geiger von Finance Watch

Willmann: „Unser letzter Tag bot uns unglaublich inspirierende Einblicke aus der Sicht von NGOs: Als Mitglied von Finance Watch teilte Charlotte Geiger ihre Arbeitserfahrung innerhalb Brüssels EU-Blase. Wir sprachen über die Regulierung im Finanzsektor, welche Folgen zu erwarten sind und wie wichtig es ist, das öffentliche Interesse auf politischer Ebene zu repräsentieren. Dabei zeigte Geiger uns auch, wie die Wirkung und Macht von NGOs in den letzten Jahren aufgrund ihres umfangreichen Netzwerks zugenommen hat. Kurz gesagt: eine Begegnung, die nicht nur inspirierend, sondern auch auf Augenhöhe war!“