Behavioral Corporate Governance

Das Projekt Behavioral Corporate Governance fragt nach den konkreten Verhaltensweisen der Governance-Akteure, die für ein gutes Funktionieren des Governance-Systems kritisch sind. Diese müssen im Zentrum der zweckmäßigen Ausgestaltung der Corporate Governance stehen.

Ausgangslage

Die Diskussion um Corporate Governance, verstanden als normativer Verhaltensrahmen für die Leitung und Überwachung eines Unternehmens und seiner Einheiten, wird insbesondere in Deutschland zu stark von einer juristischen Perspektive geprägt. Die eigentliche Leistung der Führungsgremien bleibt dabei vielfach unberücksichtigt. So gehen Rankings von Aufsichtsräten bzw. Boards sogar meist so vor, dass das Einhalten bestimmter Standards bereits als Qualitätsindikator angesehen wird. Damit wird allerdings Compliance und nicht Performance gemessen. Effektivität und Effizienz der Führungsorgane werden so jedoch nicht systematisch verbessert; im schlimmsten Fall leiden Sie sogar.

Ziel des Projekts

Zunächst fokussiert auf den Aufsichtsrat ist es das Ziel dieses interdisziplinären Forschungsprojekts, die Leistungs­determinanten guter Aufsichtsratsarbeit systematisch herzuleiten. Durch die Verbindung betriebswirtschaftlicher und verhaltenswissenschaftlicher Perspektiven rücken dabei die Erfolgskriterien sowie insbesondere die für den Erfolg kritischen Verhaltensweisen der Organmitglieder in den Vordergrund. Besonderes Augenmerk gilt dabei aktuell dem Verlauf von Diskussions- und Entscheidungsprozessen.

Ziel einer Reihe von Interviews mit erfahrenen Aufsichtsratsmitgliedern ist es zu ermitteln, welche Verhaltensweisen als kritisch angesehen werden, wie diese zustande kommen und welche Folgen diese Verhaltensweisen nach sich ziehen. Aus den Ergebnissen sollen besser fundierte Rückschlüsse auf relevante Funktionsbedingungen sowie die Anforderungen an die Zusammensetzung von Überwachungsgremien abgeleitet werden.

Kooperationspartner

Prof. Dr. Jens Nachtwei, Personalpsychologe, forscht an der Humboldt-Universität zu Berlin, lehrt an der Hochschule für angewandtes Management und leitet das universitäre Spin-off IQP.

Dr. Jens Nachtwei
Humboldt-Universität zu Berlin