Veröffentlicht
16.11.2018
Kategorie
Marketing Management

Vom Nutzen der Smart City fürs Marketing

Der Begriff der Digitalisierung ist für die Managementwelt von heute so etwas wie ein der Terminus „Kundenorientierung“ vor zehn Jahren: eine Art Zusammenfassung der Zehn Gebote in einem Wort. Berater aller Couleur finden immer neue Wege, um argumentativ auf ihn hinzuarbeiten – und um dann mit großem Tamtam zu deklarieren, der jeweils von eigenen Services zu überzeugende Gesprächspartner hätte das ganze Ausmaß der nötigen Handlungsanlassung noch keinesfalls umrissen. Anschließend kommt jeweils das Servicepa>„Urban Innovation Networks“ arbeitet heraus, wie Unternehmen sich den Stadtraum aneignen können und müssen. Und in „Marken in der Smart City“ zeige ich, dass die Verfügbarbeit immer komplexerer Datensätze die Markenführung substanziell bereichern kann – speziell unter Rückgriff auf den städtisch-räumlichen Kontext.

Mit letzterer These hat sich kürzlich auch ein lesenswerter Beitrag in der Fachzeitschrift „Absatzwirtschaft“ auseinandergesetzt. Im Zentrum stand dabei die „Smart City“, also der Versuch von Stadtplanern und Politikern, mithilfe digitaler Anwendungen Städte lebenswerter, effizienter oder sicherer zu machen. Versuche dieser Natur sind weltweit zu beobachten, wie die Autorin schreibt. Hamburg, New York oder Schanghai einerseits, Louisville, Santander oder Songdo andererseits – weltweit sind Kommunen im Wettstreit um den Titel „Smart City“.

Und es gilt einiges zu holen. Gerade ging die diesjährige Ausgabe der „Smart City Expo“ in Barcelona zu Ende. Laut Transparency Market Research wird der globale Smart-City-Markt 2019 eine Investitionssumme von 1,27 Milliarden US-Dollar erreichen. Das McKinsey Global Institute geht davon aus, dass vernetzte Städte bis zum Jahr 2025 durch eingesparte Zeit, Kosten, Schadstoffe und eine produktivere Wirtschaft einen Mehrwert von 1,7 Milliarden Dollar erwirtschaften. Getrieben werden die Großprojekte gleichermaßen von der Privatwirtschaft wie von ökologisch-ökonomischer Notwendigkeit, auf die die Politik reagiert.

Warum so ein starker Fokus auf Städte? Sprangen Marketer zuletzt gerne auf Nischentrends wie Landlust und Stadtflucht auf, so ist doch statistisch klar, dass die Welt urbaner wird. Momentan leben 54 Prozent der Weltbevölkerung in Städten, bis 2050 sollen es 70 Prozent sein. Die Weltbevölkerung soll im Jahr 2050 bereits 9,7 Milliarden Menschen erreichen. Die Herausforderungen dieses Wachstums vor allem für die rasant wachsenden Metropolen in Südostasien oder Lateinamerika sind enorm.

Städte hatten, so Anne-Kathrin Velten in der Absatzwirtschaft, früher vier Funktionen: Wohnraum, Erholung, Arbeit und Transport. Aufgrund der vierten Revolution – der Digitalisierung – seien diese Grenzen verschwommen. Infolgedessen würden die Lebensstile der Verbraucher immer fließender. Marken müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Unternehmen müssen sich bei der Produktentwicklung, Verkauf und Vermarktung einer wachsenden Weltbevölkerung anpassen und zugleich eine widerstandsfähigere, gesündere, grünere und gemeinschaftlichere Zukunft in Metropolen bieten.

In der Stadt wird verhandelt, was wir als digitale Nomaden als unser Bedürfnis definieren und was folglich die Produkte und Services der Zukunft sind. Hier gilt es auch für das Marketing, genau zuzuhören, sich zu vernetzen und urban getriebene Innovationsprozesse zu initiieren. Die Stadt selbst schafft sich im Idealfall ihre eigenen Produkte und Dienstleistungen.

Ich bin überzeugt: Die Chancen eines urbanen Markenansatzes sind groß. Urbane Kulturen haben ihre Eigendynamiken, die es zu verstehen und zu respektieren gilt. Die digitale Revolution zwingt Unternehmen dazu, räumlich zu denken. Für die Bewohner der Städte werden die Fortschritte in intelligenten Transportmitteln, dynamisch genutzten Parkplätzen oder perfekt abgestimmtem Energie- und Wassermanagement sichtbar. Für Marketer eröffnet sich die Möglichkeit, so nah wie nie an Verbraucher heranzukommen. Indem sie fast alles messen, was die Einwohner einer Stadt tun, können sie in einem nie da gewesenen Ausmaß Einsicht in die Vorlieben und Interessen der Verbraucher gewinnen, was höchst gezielte Marketingkampagnen ermöglichen wird.